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EPU/Ablation

 

Was ist eine elektrophysiologische Untersuchung?


Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU)ist eine spezielle Form der Herzkatheteruntersuchung bei Patienten mit Herzrhytmusstörungen. Die EPU ermöglicht eine genaue Beurteilung von Herzrhythmusstörungen hinsichtlich Ursache, Mechanismen, prognostischer Bedeutung und Therapiemöglichkeiten. Diese Untersuchungsmethode ermöglicht die Aufdeckung der zugrundeliegenden Mechanismen. Die EPU ist also eine Untersuchung zum Studium des Herzreizleitungssystems, Auffinden des Entstehungsortes einer Arrhythmie und deren Diagnostik.

 
Mit dem Ergebnis der elektrophysiologischen Untersuchung kann der Untersucher Vorschläge zur weiteren Therapie geben und in vielen Fällen in der gleichen Untersuchung eine Verödung des erkrankten Bereiches mit Hochfrequenzstrom (Katheterablation) durchgeführt werden.

Was ist eine Katheterablation?

 
Eine Katheterablation ist eine Therapieform, bei der angeborene, zusätzliche oder krankhafte Strukturen (z.B. akzessorische Leitungsbahnen), die für eine Rhythmusstörung verantwortlich sind, verödet werden. Die klassische Form der Ablation erfolgt mit Hochfrequenzstrom. Hierbei kommt es zur Erwärmung des Herzmuskelgewebes auf ca. 55-65 Grad Celsius, wodurch eine Verödung mit anschließender Bildung einer kleinen Narbe erzielt wird. Das besondere ist: man kann durch diese Maßnahme eine reale Heilung und nicht nur eine Besserung der Beschwerden herbeiführen. Der Erfolg einer Ablation wird durch anschließende Stimulationen erreicht, wobei die Rhythmusstörungen im Erfolgsfall nicht mehr ausgelöst werden kann. Bei speziellen elektrophysiologischen Fragestellungen kommen sogenannte 3-D-Mapping-Systeme  zum Einsatz. Diese Systeme erstellen auf magnetischer Basis ein farbkodiertes dreidimensionales Bild kardialer Aktivierungssequenzen.

Wann wird eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt?

 

  • AV – Knoten Reentry Tachykardie – Bei diesem Typ des Herzrasens liegen zwei angeborene, funktionell unterschiedliche Leitungsbahnen am AV – Knoten zugrunde. Wegen deren unterschiedlichen elektrophysiologischen Eigenschaften kann eine Kreiserregung innerhalb des AV – Knotens entstehen, z.B. ausgelöst durch einen Extraschlag („Extrasystole“)
  • WPW – Syndrome (Wolff – Parkinson – White – Syndrom) oder verborgene Leitungsbahnen – hier besteht ein angeborener Kurzschluss zwischen den Vorhöfen und den Kammern unter Umgehung des AV – Knotens. Dadurch kommt es zu einer vorzeitigen Erregung der Kammer (Präexitation). Die Folge ist eine Tachykardie (Herzrasen)
  • arteriale Tachykardien – Herzrasen mit dem Entstehungsort im Vorhof (Atrium). Es liegt eine gesteigerte Neigung zur Erregungsbildung im Vorhof vor.
  • Vorhofflimmern – Herzrhythmusstörungen mit untergeordneter Tätigkeit der Vorhöfe. Eine Ablation ist bei unzufriedenem Verlauf unter medikamentöser Therapie möglich.
  • Synkopen – kurzzeitige Bewusstlosigkeit mit unklarer Herkunft
  • verschiedene Formen der Kammertachykardien – Herzrasen mit dem Entstehungsort in der Herzkammer (Ventrikel) – (abhängig von der zugrundeliegenden kardialen Erkrankung)

Wie wird eine EPU oder Ablation durchgeführt?


Die elektrophysiologische Untersuchung mit eventuell anschließender Ablation ist ein Eingriff, der häufig eine bis mehrere Stunden dauern kann. Nach entsprechend bequemst möglicher Lagerung und gründlicher Vorbereitung  auf dem Untersuchungstisch wird in beide Leisten ein Lokalanästhetika (örtliches Betäubungsmittel) gespritzt. Entsprechende zusätzliche Beruhigungs- und Schmerzmittel können je nach Bedarf zusätzlich verabreicht werden. Das Ziel des Untersucherteams ist die elektrophysiologische Untersuchung so angenehm wie möglich für den Patienten durchzuführen.

 
Im Anschluss daran werden die Venen (V. fermoralis) beider Leisten punktiert und entsprechende Schleusen in das Gefäß eingebracht. Darüber erfolgt die Platzierung der entsprechenden Stimulationkatheter an den zu untersuchenden Stellen des Herzreizleitungssystems unter ständiger Röntgenkontrolle. Anschließend werden sämtliche Katheter durch Adapter an das EPU System mit der entsprechenden Registriereinheit angeschlossen. Auf der Registriereinheit sind sämtliche EKG Ableitungen (Brust- und Extremitäten sowie intrakardiale Ableitungen) zu sehen. Nach Überprüfung der korrekten Lage der Katheter wird das Reizleitungssystem an den verschiedenen Orten durch Abgabe elektrischer Impulse nach genau definierten Programmabfolgen stimuliert. Ziel ist das Erkennen und Auslösen der Rhythmusstörung und diese wieder zu beenden.

 
Nach erfolgreicher Auslösung einer Rhythmusstörung kann je nach Krankheitsbild eine Ablation (Verödung) der krankhaften Strukturen des Herzreizleitungssystems durchgeführt werden. Es wird hierbei ein zusätzlicher Ablationskatheter eingeführt und an entsprechender Stelle genauestens platziert. Durch einen Fußschalter kann der Untersucher Energie freigeben, welche dann über die Spitze des Ablationskatheters an der krankhaften Stelle freigesetzt wird. Das krankhafte Gewebe wird hierdurch verödet. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie als Patient in dieser Phase der Untersuchung leichtes Unbehagen, leichtes Brennen und geringfügige Schmerzen im Brustkorb bemerken. Ein mehrfaches Wiederholen der Stromabgabe kann bei manchen Untersuchungen nötig sein. Im Anschluss daran erfolgt ein erneuter Versuch die Rhythmusstörung auszulösen. Wird diese Rhythmusstörung nicht ausgelöst, gilt die Verödungstherapie als erfolgreich.

 
Nach erfolgreichem Abschluss der EPU / Ablation werden die Katheter und Schleusen entfernt, die Punktionsstellen komprimiert und ein Druckverband nach Stillstand der Blutung angelegt. Im Anschluss muss eine strikte Bettruhe eingehalten werden. Eine entsprechende Mobilisierung wird ihnen als Patient individuell mitgeteilt.

Welche Risiken und Komplikationen gibt es?


Jede elektrophysiologische Untersuchung /Ablation ist mit Risiken und Komplikationen verbunden. Die Risiken sind abhängig von der Art der Rhytmusstörung. Insgesamt ist das Risiko der elektrophysiologischen Untersuchung sehr gering und steht in keinem Verhältnis zum therapeutischen Nutzen. Die Elektrophysiologische Untersuchung ist momentan durch keine andere Untersuchung zu ersetzen. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse ist jedoch eine gezielte Therapie Ihrer Herzrhythmusstörungen möglich. Die Komplikationshäufigkeit ist allerdings statistisch (2 von 500 Untersuchungen) betrachtet äußerst gering.

Dennoch sind vor allem, die möglichen schweren Ereignisse sehr selten. Vor jedem Eingriff erhalten Sie im Rahmen eines ärztlichen Aufklärungsgespräches detaillierte Informationen.

Mitglied der Deutschen Herzstiftung